WÖRTLICHE REDE & TEXTGESTALTUNG IM ROMAN
Warum ich Dialoge so gestalte, damit sie sich für mich richtig lesen
Wenn Dialoge ihren Rhythmus finden
Wörtliche Rede im Roman – und warum ich bei Band 6 manches anders mache
An dieser Stelle möchte ich vorab mit einem Missverständnis aufräumen, das mir in letzter Zeit immer wieder begegnet: Ein bestimmtes Schriftbild oder eine bestimmte Gestaltung von Dialogen sei automatisch ein Hinweis darauf, dass ein Text mit KI geschrieben wurde.
Nein. Ist es nicht!
Wenn ich bei Band 6 Dialoge teilweise anders gestalte als in meinen bisherigen Büchern, dann geschieht das ganz bewusst. Es ist mein persönliches Empfinden als Autorin, wie sich eine Szene für mich besser lesen lässt und wie ich meine Leser möglichst klar durch einen Dialog führen möchte.
Das sind etablierte Möglichkeiten der Dialoggestaltung, die es lange vor ChatGPT und anderen KI-Systemen gab.
Was ich bei Band 6 ändere, ist also nicht plötzlich meine Art zu schreiben. Ich achte lediglich bewusster darauf, wie ich meinen Text auf der Seite strukturiere.
Denn für mich hat ein Absatz eine Aufgabe: Er soll dem Leser helfen.
Das ist keine KI. Das ist Textgestaltung. Und letztendlich gehört auch sie zum Handwerk des Schreibens.
Ich bin keine gelernte Lektorin. Ich schreibe meine Bücher nach meinem eigenen Textempfinden und entwickle dieses mit jedem Roman weiter.
Als Selfpublisherin habe ich außerdem die Freiheit, innerhalb der sprachlichen und typografischen Möglichkeiten Entscheidungen für meine Bücher selbst zu treffen.
Das bedeutet nicht: Regeln interessieren mich nicht.
Ganz im Gegenteil. Ich möchte sie kennen.
Aber ich möchte ebenso verstehen, warum es sie gibt und anschließend entscheiden, wie sie meinem Text und vor allem dem Lesefluss dienen.
Das ist der kleine Unterschied, den man in Band 6 bemerken wird.
Nicht KI.
Nicht plötzlich ein anderer Autor.
Immer noch ich. Nur mit fünf Büchern Erfahrung mehr.
Aber wann beginnt ein Dialog in einer neuen Zeile? Wann wird eingerückt? Gehört der Begleitsatz zur wörtlichen Rede – oder darunter?
Fragen, über die man sich beim Lesen wahrscheinlich kaum Gedanken macht. Beim Schreiben dagegen schon.
Und genau damit beschäftige ich mich gerade wieder intensiver, während Band 6 der Max-Field-Reihe entsteht.
Denn wörtliche Rede besteht für mich nicht nur aus Anführungszeichen, Punkt und Komma. Auch die Art, wie ein Dialog auf einer Buchseite aussieht, beeinflusst den Lesefluss.
Ein Dialog soll sich lesen, ohne dass man nachdenken muss
Wenn Max und Elwis miteinander sprechen, möchte ich nicht, dass ihr euch beim Lesen fragt:
Wer sagt das jetzt eigentlich?
Gerade in schnellen Dialogen muss auf den ersten Blick erkennbar sein, wann der Sprecher wechselt.
Eine einfache Orientierung ist deshalb:
Neuer Sprecher – neuer Absatz.
Zum Beispiel:
Max sah ihn an. „Du willst wirklich fahren?“
Elwis griff nach seiner Jacke. „Ich habe keine andere Wahl.“
„Natürlich hast du die.“
Mit jedem Sprecherwechsel beginnt ein neuer Absatz.
Dadurch entsteht auf der Seite etwas, das man beim Lesen vielleicht gar nicht bewusst wahrnimmt: Orientierung.
Und was passiert mit dem Begleitsatz?
Hier wird es interessanter. Eine Handlung und die dazugehörige wörtliche Rede können problemlos in einem Absatz stehen:
Max verschränkte die Arme. „Das gefällt mir überhaupt nicht.“
Max handelt. Max spricht. Beides gehört zusammen.
Dasselbe funktioniert umgekehrt:
„Das gefällt mir überhaupt nicht.“ Max verschränkte die Arme.
Auch hier gehören Rede und Handlung derselben Figur zusammen.
Ein klassischer Redebegleitsatz wird ebenfalls unmittelbar mit der wörtlichen Rede verbunden:
„Komm zurück“, sagte Max.
Oder:
Max sagte leise: „Komm zurück.“
Für mich ist dabei weniger entscheidend, möglichst viele Regeln sichtbar „abzuarbeiten“. Viel wichtiger ist die Frage:
Wie liest sich die Szene?
Wann kommt die wörtliche Rede darunter?
Nicht jede Handlung und die darauffolgende Rede müssen zwingend im selben Absatz stehen.
Manchmal möchte ich einer Handlung mehr Gewicht geben.
Max blieb an der Tür stehen.
„Nein.“
Dieses kleine Wort bekommt durch den eigenen Absatz plötzlich eine ganz andere Wirkung.
Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einer grammatischen Regel und der Gestaltung eines Romans.
Absätze können Tempo erzeugen. Sie können eine Pause schaffen. Einen Gedanken hervorheben. Spannung aufbauen.
Oder einen einzigen Satz so stehen lassen, dass er plötzlich sehr laut wird.
Und wann wird eingerückt?
Auch das gehört zum Erscheinungsbild eines Romans.
Bei einem neuen Kapitel beginnt der erste Absatz normalerweise ohne Einzug. Das Gleiche gilt häufig nach einem sichtbaren Szenentrenner wie ***. Danach werden die folgenden Absätze in der ersten Zeile eingerückt.
Der Einzug zeigt dem Auge: Hier beginnt ein neuer Absatz.
Auch beim Sprecherwechsel.
Was unscheinbar aussieht, hilft also dabei, einen Text intuitiv zu erfassen.
Warum beschäftige ich mich ausgerechnet bei Band 6 damit?
Mit jedem Buch verändert sich auch mein Schreiben. Nicht unbedingt grundsätzlich. Aber ich schaue genauer hin.
Meine Max-Field-Romane sind dialogreich und filmisch erzählt. Figuren unterbrechen sich, reagieren aufeinander, schweigen, bewegen sich, denken und sprechen. Gerade Max und Elwis leben für mich nicht nur von dem, was sie sagen, sondern ebenso von dem, was zwischen ihren Worten passiert.
Ein Blick. Eine Bewegung. Ein Zögern. Oder ein Satz, der ganz allein stehen muss.
Deshalb überlege ich bei Band 6 noch bewusster, wann Handlung und wörtliche Rede zusammengehören und wann ich sie optisch voneinander trennen möchte. Nicht, weil ich plötzlich alles anders machen will. Sondern weil ich mich als Autorin weiterentwickle.
Regeln sind wichtig. Der Lesefluss aber auch.
Ich bin keine gelernte Lektorin. Ich bin Autorin und Selfpublisherin. Natürlich beschäftige ich mich mit Rechtschreibung, Zeichensetzung und den Konventionen des Buchsatzes. Gleichzeitig treffe ich bei meinen Büchern auch gestalterische Entscheidungen nach meinem eigenen Textempfinden.
Das ist einer der Punkte, die ich am Selfpublishing liebe: Ich darf entscheiden, wie meine Geschichte am Ende aussehen und sich anfühlen soll.
Ob jede Entscheidung jedem Leser gefällt? Wahrscheinlich nicht.
Aber für mich muss sie zur Geschichte, zu meinen Figuren und zu meinem Erzählstil passen.
Und vielleicht wird man bei Band 6 an der einen oder anderen Stelle feststellen, dass die Dialoge ein wenig anders „atmen“. Nicht völlig anders. Nur bewusster.
Kurz erklärt
Neuer Sprecher → neuer Absatz
Gleicher Sprecher + Handlung → kann im selben Absatz bleiben
Begleitsatz → gehört normalerweise zur entsprechenden wörtlichen Rede
Neues Kapitel → erster Absatz ohne Einzug
Nach einem Szenentrenner → erster Absatz üblicherweise ohne Einzug
Weitere Absätze und Sprecherwechsel → Einzug der ersten Zeile
Bewusste Abweichungen → können als Stilmittel Rhythmus, Pause oder Betonung erzeugen
Textbeispiel
