NEW ORLEANS

Wo Fiktion auf Geschichte trifft

New Orleans -eine Stadt zwischen Geschichte, Musik und Legenden

Es gibt Städte, deren Geschichte man in Museen suchen muss.

Und dann gibt es New Orleans.

Hier scheint die Vergangenheit noch immer durch die Straßen zu ziehen. Sie steckt in den alten Häusern des French Quarter, in den schmiedeeisernen Balkonen, in den oberirdischen Grabstätten der Friedhöfe und in der Musik, die aus Bars und Clubs hinaus auf die Straße dringt. Französisch. Spanisch. Afrikanisch. Karibisch. Amerikanisch.

New Orleans ist von allem etwas – und gerade deshalb mit kaum einer anderen Stadt der USA vergleichbar. Alles beginnt am Mississippi.

 

New Orleans - eine Stadt mit vielen Wurzeln

Von Frankreich über Spanien bis Amerika

New Orleans wurde 1718 von den Franzosen gegründet und nach Philippe II., Herzog von Orléans, benannt.Der Standort war kein Zufall.

Der Mississippi war eine der wichtigsten Verkehrsadern Nordamerikas. Wer den Fluss und seinen Zugang zum Golf von Mexiko kontrollierte, verfügte über einen enormen wirtschaftlichen und strategischen Vorteil.

Doch das Leben in der jungen Siedlung war alles andere als einfach. Sümpfe, Überschwemmungen, Krankheiten und das heiße, feuchte Klima machten den Bewohnern zu schaffen.

Trotzdem wuchs die Stadt. Und ihre Geschichte wurde schon früh von verschiedenen Kulturen geprägt. Erst französisch, dann spanisch – und wieder französisch. Louisiana gehörte zunächst zu Frankreich, kam im 18. Jahrhundert jedoch unter spanische Herrschaft.

Feuer, Wandel und das French Quarter

Wie Brände und Kulturen das Gesicht der Stadt prägten

Zwei verheerende Brände zerstörten 1788 und 1794 große Teile der damaligen Stadt. Beim Wiederaufbau entstanden viele Gebäude in einem spanisch und karibisch beeinflussten Stil.

Das ist einer der Gründe, warum das berühmte French Quarter heute weniger ausschließlich „französisch“ aussieht, als sein Name vermuten lässt.

1800 gelangte Louisiana wieder unter französische Kontrolle. Allerdings nur für kurze Zeit. 1803 verkaufte Napoleon das riesige Louisiana-Territorium an die Vereinigten Staaten. Der sogenannte Louisiana Purchase veränderte die USA grundlegend – und New Orleans wurde amerikanisch. Seinen eigenen Charakter verlor die Stadt dadurch jedoch keineswegs.

Eine Stadt zwischen den Kulturen

Wo unterschiedliche Welten aufeinandertrafen

In New Orleans trafen über Generationen hinweg Menschen unterschiedlichster Herkunft aufeinander. Franzosen und Spanier lebten hier ebenso wie Menschen aus der Karibik, Einwanderer aus Europa, freie People of Color und versklavte Afrikaner. Aus diesem Zusammentreffen entstanden eigene Traditionen, eine besondere Küche, Dialekte, religiöse Bräuche und schließlich auch Musikformen, die weit über Louisiana hinaus Bedeutung erlangen sollten.

Doch zu dieser Geschichte gehört ebenso ein sehr dunkles Kapitel. New Orleans war einer der bedeutendsten Umschlagplätze des amerikanischen Sklavenhandels. Tausende Menschen wurden hier verkauft und ihrer Freiheit beraubt. Wer die Geschichte der Stadt erzählt, kann ihre kulturelle Vielfalt deshalb nicht von der Geschichte der Sklaverei und des Rassismus trennen. Beides gehört zu New Orleans. Die Schönheit ebenso wie die Schatten.

Das French Quarter -das alte Herz der Stadt

Zwischen Balkonen, Innenhöfen und  Bourbon Street

French Quarter – das alte Herz der Stadt. Das Vieux Carré, besser bekannt als French Quarter, ist der älteste Teil von New Orleans. Enge Straßen, Innenhöfe, historische Stadthäuser und die berühmten Balkone und Galerien prägen das Viertel.

Mittendrin liegt der Jackson Square mit der St. Louis Cathedral. Und natürlich gibt es die Bourbon Street. Sie ist heute vermutlich eine der bekanntesten Straßen der Stadt – laut, bunt, voller Bars, Musik und Nachtleben. Doch wer New Orleans nur auf die Bourbon Street reduziert, verpasst einen großen Teil dessen, was die Stadt ausmacht. Manchmal genügt es, nur wenige Straßen weiterzugehen.

Plötzlich wird es ruhiger. Alte Häuser stehen hinter Mauern und Toren. Durch geöffnete Fenster dringt Musik. Innenhöfe verbergen sich hinter unscheinbaren Fassaden.

Die Stadt der Toten

Wo Geschichte, Glauben und Legenden aufeinandertreffen

Und genau dort entfaltet New Orleans einen ganz anderen Zauber. Die Stadt der Toten. Auch die Friedhöfe von New Orleans erzählen ihre eigene Geschichte. Wegen der besonderen Boden- und Wasserverhältnisse wurden Verstorbene traditionell häufig in oberirdischen Grabstätten beigesetzt. Dadurch entstanden ganze Reihen gemauerter Gräber und Familiengruften. Sie wirken beinahe wie kleine Straßen. Nicht umsonst werden einige dieser Friedhöfe als „Cities of the Dead“ – Städte der Toten – bezeichnet.Einer der bekanntesten ist der St. Louis Cemetery No. 1, auf dem sich auch das Grab befindet, das traditionell mit der berühmten Voodoo-Persönlichkeit Marie Laveau in Verbindung gebracht wird.

Kaum ein Thema wurde rund um New Orleans so sehr romantisiert, ausgeschmückt und manchmal auch verfälscht wie Voodoo. Dabei liegen seine Wurzeln in west- und zentralafrikanischen religiösen Traditionen, die durch versklavte Menschen nach Louisiana gelangten. In New Orleans verbanden sich diese Traditionen unter anderem mit katholischen und karibischen Einflüssen. Eine der bekanntesten Persönlichkeiten des Louisiana Voodoo war im 19. Jahrhundert Marie Laveau. Um sie ranken sich bis heute zahlreiche Legenden. Historische Tatsachen, mündliche Überlieferungen und spätere Ausschmückungen sind dabei teilweise kaum noch voneinander zu trennen.

Vielleicht passt gerade das so gut zu New Orleans. In dieser Stadt liegen Geschichte und Legende manchmal erstaunlich dicht nebeneinander.


 

Und dann kam der Jazz

Die Musik, die New Orleans der Welt schenkte

Die Stadt gilt als eine der entscheidenden Geburtsstätten dieser Musik. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert trafen hier unterschiedliche musikalische Traditionen aufeinander: afrikanische Rhythmen, Blues, Ragtime, Spirituals, Märsche, kreolische Musik und europäische Einflüsse. Aus diesem Schmelztiegel entwickelte sich etwas Neues.Jazz.

Ein wichtiger Ort in dieser Entwicklung war Congo Square, wo sich bereits im 18. und 19. Jahrhundert versklavte und freie Schwarze Menschen versammelten. Dort wurde getanzt, gesungen und musiziert. Afrikanische musikalische Traditionen konnten auf diese Weise in einer Form weiterleben, die für die spätere Musikgeschichte der Stadt von großer Bedeutung wurde.

Später entstanden überall in New Orleans Bands. Musik gehörte zu Paraden, Festen, Beerdigungen und zum Nachtleben. Und aus dieser Stadt kamen Musiker, die Musikgeschichte schreiben sollten. Einer von ihnen wurde weltberühmt:

Louis Armstrong.

1901 in New Orleans geboren, entwickelte er sich zu einem der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts und prägte die Entwicklung des Jazz entscheidend. Doch Armstrong war nur einer von vielen. New Orleans brachte eine Musikkultur hervor, in der Improvisation, Rhythmus und das Zusammenspiel der Musiker etwas völlig Eigenes entstehen ließen.

Wenn selbst eine Beerdigung Musik bekommt

Jazz Funerals und die Tradition der Second Line

Eine besonders eindrucksvolle Tradition sind die Jazz Funerals. Dabei verbinden sich Trauer und Musik auf eine Weise, die zunächst widersprüchlich erscheinen mag. Auf dem Weg zur Beisetzung kann die Musik langsam und getragen sein. Nach der Beerdigung verändert sich häufig die Stimmung. Die Musik wird lebendiger. Aus der Trauer wird auch eine Feier des Lebens.Daraus entwickelte sich ebenfalls die berühmte Tradition der Second Line: Menschen schließen sich einer musikalischen Prozession an, tanzen und ziehen hinter den Musikern durch die Straßen.

Musik ist in New Orleans eben nicht ausschließlich Unterhaltung. Sie begleitet das Leben.

Mardi Gras - wenn eine ganze Stadt feiert

Zwischen Tradition, Masken und Lebensfreude

Und dann wäre da natürlich noch Mardi Gras. Die Tradition reicht weit zurück in die französisch-katholische Vergangenheit Louisianas. Heute gehören prachtvolle Paraden, Wagen, Masken, Kostüme und die sogenannten Krewes untrennbar zur Karnevalszeit von New Orleans. Auch hier zeigt sich wieder, was die Stadt so besonders macht: Traditionen verschwinden nicht einfach. Sie verändern sich, vermischen sich mit anderen Einflüssen und werden von Generation zu Generation weitergetragen.

Eine Stadt, die mit dem Wasser leben muss

Zwischen Mississippi, Hurrikanen und Neuanfang

So viel New Orleans dem Mississippi verdankt, so sehr lebt die Stadt auch mit der Gefahr des Wassers. Große Teile liegen auf sehr niedrigem Gelände, manche sogar unter dem Meeresspiegel. Deiche, Pumpensysteme und andere Schutzanlagen gehören deshalb seit Langem zum Leben der Stadt. Hurrikane und Überschwemmungen haben New Orleans immer wieder getroffen.Besonders tief hat sich Hurrikan Katrina 2005 in die jüngere Geschichte eingebrannt. Nach dem Versagen mehrerer Deichanlagen wurden große Teile der Stadt überflutet. Mehr als tausend Menschen starben in der Katastrophe in Louisiana, und Hunderttausende mussten die Region verlassen.New Orleans wurde schwer verwundet. Aber die Stadt verschwand nicht. Sie baute wieder auf.

Was macht New Orleans so besonders?

Wo Vergangenheit niemals ganz vergangen ist.

Vielleicht lässt sich diese Stadt gerade deshalb so schwer mit einem einzigen Wort beschreiben. New Orleans ist wunderschön und morbide. Lebenslustig und melancholisch. Laut und geheimnisvoll. Hier stehen prächtige Häuser nur wenige Straßen von Orten entfernt, die von Armut, Unterdrückung und Gewalt erzählen.

Hier gehören Friedhöfe zu den Sehenswürdigkeiten. Hier kann eine Beerdigung in eine musikalische Prozession übergehen.

Hier entstand aus dem Zusammentreffen unterschiedlichster Kulturen eine Musik, die später die ganze Welt beeinflussen sollte. Und vielleicht ist genau das das Faszinierende an New Orleans:

Diese Stadt bewahrt ihre Vergangenheit nicht hinter Glas.

Man begegnet ihr auf der Straße. In der Architektur. Im Essen. Auf den Friedhöfen. Am Mississippi. Und vor allem in ihrer Musik. Denn New Orleans erzählt nicht nur Geschichte. New Orleans klingt nach ihr.

Manchmal reicht Geschichte bis in die Gegenwart

Wenn Vergangenheit plötzlich Teil der eigenen Geschichte wird

Manchmal reicht Geschichte bis in die Gegenwart. Vielleicht ist es genau diese Vielschichtigkeit, die New Orleans für Geschichten so faszinierend macht. Denn Vergangenheit ist hier nicht einfach etwas, das abgeschlossen hinter einem liegt. Sie hinterlässt Spuren. In Häusern und Straßen, in Familien, in Erinnerungen – und manchmal in Geheimnissen, über die jahrzehntelang niemand gesprochen hat.

Genau damit wird auch Max Field auf ihrer nächsten Reise konfrontiert.

Sie stößt auf Ereignisse, die lange vor ihrer eigenen Geburt ihren Anfang nahmen. Eine Zeit, die sie selbst nie erlebt hat und von der sie zunächst glauben könnte, dass sie mit ihrem heutigen Leben nichts zu tun hat. Doch manche Geschichten enden nicht mit den Menschen, die sie erlebt haben. Entscheidungen haben Folgen. Schweigen kann über Generationen bestehen bleiben. Und etwas, das vor Jahrzehnten geschehen ist, kann plötzlich wieder Bedeutung bekommen für jemanden, der damals noch nicht einmal geboren war. Genau das muss Max erkennen. Ihre Reise führt sie nicht nur nach New Orleans und an Orte, die ihre ganz eigene Vergangenheit besitzen. Sie führt sie immer tiefer in eine Geschichte hinein, bei der sich irgendwann eine beunruhigende Frage stellt:

Was, wenn diese Vergangenheit gar nicht so weit von ihrem eigenen Leben entfernt ist, wie sie immer geglaubt hat?

Damit beginnt für Max eine Suche, bei der Geschichte und Fiktion immer enger miteinander verschmelzen. Was sie dabei entdecken wird, bleibt vorerst ihr Geheimnis.

Nur eines ist sicher:

Manche Geschichten beginnen lange vor unserer Zeit.
Und trotzdem können sie eines Tages bei uns ankommen.


 

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