WIE VIEL WAHRHEIT STECKT IN MEINEN ROMANEN?

Wenn historische Wirklichkeit auf die Welt von Max Field trifft

Zwischen Wirklichkeit und Fiktion

Manches hat es wirklich gegeben. Manches hätte so geschehen können. Und manches existiert nur in meiner Fantasie.

Diese Frage lässt sich bei MAX FIELD manchmal gar nicht so einfach beantworten.

Natürlich sind meine Romane Fiktion.

Maxim Field hat nie gelebt. Elwis Preston ist eine fiktive Figur. Das Diamond Sky existiert nicht und viele Menschen, Begegnungen und Ereignisse meiner Geschichten sind ausschließlich in meiner Fantasie entstanden.

Und trotzdem gibt es beim Lesen immer wieder diesen einen Moment:

Moment mal … das könnte doch wirklich so gewesen sein.

Genau dort wird es für mich spannend.

Denn meine Geschichten spielen nicht einfach nur in den 1970er-Jahren.

Sie bewegen sich mitten in einer Welt, die tatsächlich existiert hat.

 

Die Geschichte bildet den Rahmen

Wenn ich einen neuen Roman beginne, erfinde ich nicht einfach eine beliebige Vergangenheit.

Die Welt, durch die sich meine Figuren bewegen, soll sich möglichst nah an der tatsächlichen Zeit orientieren.

Historische Ereignisse haben stattgefunden.

Städte sahen auf eine bestimmte Weise aus.

Politische und gesellschaftliche Konflikte prägten den Alltag.

Menschen hatten andere Möglichkeiten als heute, andere Gesetze bestimmten ihr Leben und gesellschaftliche Vorstellungen beeinflussten ihre Entscheidungen.

Auch ganz alltägliche Dinge waren anders.

Wie wurde telefoniert?

Wie schnell konnte eine Nachricht von einem Ort zum anderen gelangen?

Welche medizinischen Untersuchungen waren möglich?

Wie arbeitete die Polizei?

Welche Flugzeuge konnten bestimmte Strecken zurücklegen?

Welche Autos fuhren auf den Straßen?

Was kostete etwas?

Welche Musik lief gerade im Radio?

Welche Nachricht hätte an genau diesem Tag die Schlagzeilen bestimmt?

Solche Fragen mögen auf den ersten Blick nebensächlich wirken.

Für mich sind sie es nicht.

Denn je genauer die Welt um meine erfundenen Figuren stimmt, desto glaubwürdiger kann die Geschichte werden, die ich darin erzähle.

 

Reale Orte – fiktive Geschichten

Ein großer Teil der MAX-FIELD-Welt spielt an Orten, die tatsächlich existieren.

Las Vegas.

Memphis.

New Orleans.

Hawaii.

Und viele weitere.

Manche Schauplätze meiner Romane sind erfunden, andere kann man noch heute besuchen.

Genau diese Mischung liebe ich.

Wenn Max durch eine Straße fährt, die es 1971 tatsächlich gab, möchte ich wissen, wie diese Straße damals ausgesehen haben könnte.

Wenn sie an einem historischen Gebäude vorbeikommt, interessiert mich dessen Geschichte.

Wenn eine Szene an einem realen Ort spielt, möchte ich möglichst vermeiden, dort etwas hinzustellen, was erst zehn Jahre später gebaut wurde.

Und manchmal passiert bei der Recherche etwas ganz Besonderes:

Ein realer Ort erzählt plötzlich selbst eine Geschichte.

Dann stoße ich auf ein Gebäude, eine Straße, einen Friedhof, ein Hotel oder ein Ereignis und denke:

Das passt.

Nicht, weil ich die Geschichte vorher passend gemacht hätte.

Sondern weil die Wirklichkeit mir plötzlich etwas anbietet, das sich beinahe nahtlos mit meiner Fiktion verbinden lässt.

Das sind für mich einige der schönsten Momente beim Schreiben.

 

Dort, wo die Geschichtsbücher Lücken lassen

Historische Quellen erzählen uns sehr viel.

Aber sie erzählen niemals alles.

Wir wissen, wann bestimmte Ereignisse stattgefunden haben.

Wir wissen, wo bekannte Persönlichkeiten zu bestimmten Zeiten waren.

Wir kennen Zeitungsberichte, Interviews, Fotografien, Filmaufnahmen, Akten und Biografien.

Doch zwischen all diesen belegten Punkten gibt es Zwischenräume.

Stunden.

Tage.

Begegnungen.

Gespräche.

Augenblicke, über die niemand etwas aufgeschrieben hat.

Und genau diese Zwischenräume faszinieren mich.

Nicht, weil ich behaupten möchte, dort sei etwas Bestimmtes passiert.

Sondern weil dort Fiktion entstehen darf.

Ich stelle mir beim Schreiben deshalb manchmal eine ganz einfache Frage:

Was hätte passieren können, ohne dass die bekannte Geschichte dadurch falsch wird?

Das kleine Wort „könnte“ ist dabei entscheidend.

Ich möchte historische Fakten nicht verändern, damit sie zu meiner Geschichte passen.

Meine Geschichte muss sich vielmehr ihren Platz zwischen diesen Fakten suchen.

Und wenn das gelingt, entsteht beim Lesen im besten Fall genau dieses Gefühl:

Das ist erfunden. Aber irgendwie könnte es wirklich so gewesen sein.

 

Wahrheit besteht nicht nur aus Daten und Jahreszahlen

Es gibt aber noch eine andere Form von Wahrheit in meinen Romanen.

Eine, die sich nicht in einem Geschichtsbuch nachschlagen lässt.

Wie fühlte es sich an, in dieser Zeit zu leben?

Wie begegneten Menschen einander?

Welche gesellschaftlichen Erwartungen gab es?

Was durfte eine Frau?

Was wurde von einem Mann erwartet?

Welche Vorurteile bestimmten das Leben eines Menschen?

Welche Türen standen jemandem offen – und welche blieben aufgrund seiner Hautfarbe, seiner Herkunft oder seines Geschlechts verschlossen?

Welche Ängste waren real?

Welche Hoffnungen?

Welche Konflikte?

Historische Genauigkeit bedeutet für mich deshalb nicht nur, das richtige Automodell auf eine Straße zu stellen.

Eine Zeit wird erst glaubwürdig, wenn auch ihre Widersprüche sichtbar werden.

Und gerade die frühen 1970er-Jahre bieten davon unglaublich viele.

 

Manchmal führt eine Geschichte viel weiter zurück

Obwohl MAX FIELD hauptsächlich in den 1970er-Jahren spielt, beginnen manche Geschichten lange vorher.

Denn niemand startet sein Leben bei null.

Familien tragen Vergangenheit weiter.

Entscheidungen früherer Generationen können Folgen haben, von denen diejenigen, die später damit konfrontiert werden, zunächst überhaupt nichts wissen.

Und auch eine Gesellschaft vergisst ihre Vergangenheit nicht einfach.

Deshalb führen mich meine Recherchen manchmal Jahrzehnte zurück.

In die amerikanische Geschichte.

In die Südstaaten.

In die Zeit der Rassentrennung und der Bürgerrechtsbewegung.

Zu gesellschaftlichen Konflikten, politischen Entscheidungen oder Organisationen wie dem Ku-Klux-Klan.

Das sind reale und teilweise sehr dunkle Kapitel der Geschichte.

Wenn solche Themen in meinen Romanen auftauchen, sind sie für mich keine bloße dramatische Kulisse.

Ich möchte verstehen, was tatsächlich passiert ist, bevor ich eine fiktive Geschichte damit verbinde.

Denn gerade dort, wo Fiktion auf reale menschliche Schicksale und historische Gewalt trifft, trägt man als Autorin Verantwortung.

 

Und was ist mit realen Persönlichkeiten?

Auch sie können Teil dieser Welt sein.

Denn wer eine Geschichte in den frühen 1970er-Jahren erzählt, kann nicht so tun, als hätten die Menschen, die diese Zeit geprägt haben, nicht existiert.

Musiker.

Politiker.

Schauspieler.

Bürgerrechtler.

Historische Persönlichkeiten.

Sie gehören zu dieser Epoche.

Elvis Presley ist natürlich eine der Persönlichkeiten, die für meine eigene Reise in diese Zeit eine besondere Bedeutung bekommen haben.

Aber auch hier gilt für mich eine klare Grenze:

Inspiration ist nicht dasselbe wie Biografie.

Elwis Preston ist eine fiktive Figur.

Er bewegt sich in einer Welt, deren Zeitgefühl, Musikgeschichte und gesellschaftlicher Hintergrund real sind, aber seine persönliche Geschichte gehört zur Welt von MAX FIELD.

Diese Trennung ist mir wichtig.

Denn gerade dadurch kann ich mir die Freiheit der Fiktion erhalten und gleichzeitig respektvoll mit der tatsächlichen Geschichte umgehen.

 

Manchmal ist die Wirklichkeit unglaublicher als jede Fiktion

Bei meinen Recherchen passiert mir immer wieder etwas, das ich inzwischen fast schon amüsant finde.

Ich entdecke einen historischen Vorgang und denke:

Wenn ich mir das ausgedacht hätte, würde mir das wahrscheinlich niemand glauben.

Geschichte ist nämlich selten ordentlich.

Menschen handeln widersprüchlich.

Behörden machen Fehler.

Informationen verschwinden.

Macht wird missbraucht.

Zufälle verändern Leben.

Menschen begegnen einander zur richtigen – oder völlig falschen – Zeit.

Und manchmal entstehen Zusammenhänge, die in einem Roman beinahe zu konstruiert wirken würden.

Genau deshalb recherchiere ich so gern.

Die Wirklichkeit liefert Geschichten, auf die man als Autorin manchmal selbst nicht gekommen wäre.

 

Aus einem kleinen Detail kann plötzlich eine ganze Geschichte entstehen

Meine Recherche beginnt nicht immer mit den großen historischen Fragen.

Manchmal ist es nur ein Foto.

Ein altes Haus.

Ein Zeitungsartikel.

Eine Straße.

Ein Grabstein.

Ein Lied.

Ein Name.

Oder ein Nebensatz in einem historischen Bericht.

Und plötzlich bleibe ich daran hängen.

Ich suche weiter.

Aus einer Information werden fünf.

Aus fünf werden zwanzig.

Und irgendwann sitze ich vor einem Detail, das ursprünglich überhaupt keine Bedeutung für meine Geschichte hatte – und weiß plötzlich:

Das gehört hinein.

Vielleicht wird daraus nur eine kleine Szene.

Vielleicht verändert es ein ganzes Kapitel.

Und manchmal entsteht daraus sogar ein neuer Handlungsstrang.

Das ist einer der Gründe, warum ich beim Schreiben nicht alles von Anfang bis Ende festlege.

Ich möchte der Geschichte die Möglichkeit lassen, mich selbst noch zu überraschen.

 

Die Fiktion muss sich der Geschichte anpassen – nicht umgekehrt

Das ist wahrscheinlich einer meiner wichtigsten Grundsätze.

Wenn ein historisches Ereignis nicht zu meiner Handlung passt, ändere ich nicht das Ereignis.

Dann muss ich meine Handlung ändern.

Wenn ein Gebäude 1971 noch nicht existierte, kann Max dort nicht hineingehen.

Wenn eine technische Möglichkeit damals noch nicht vorhanden war, darf sie sie nicht benutzen.

Wenn eine bestimmte Reise unter den damaligen Bedingungen länger gedauert hätte, muss auch Max diese Zeit brauchen.

Natürlich bleibt ein Roman immer Fiktion.

Und natürlich gibt es erzählerische Freiheiten.

Aber gerade weil ich meine erfundenen Figuren so nah an die tatsächliche Geschichte heranführe, möchte ich die historischen Eckpunkte möglichst ernst nehmen.

Denn nur dann funktioniert dieses Spiel zwischen Wahrheit und Erfindung.

 

Genau dort beginnt für mich das Kopfkino

Ich möchte beim Schreiben keine historische Abhandlung verfassen.

Ich möchte Geschichten erzählen.

Spannende Geschichten.

Emotionale Geschichten.

Geschichten über Liebe, Freundschaft, Loyalität, Verlust, Schuld, Hoffnung und Geheimnisse.

Aber ich möchte sie in einer Welt erzählen, die sich echt anfühlt.

Wenn Max nachts durch Memphis fährt, soll man nicht nur lesen, dass es dunkel ist.

Ich möchte, dass man die Straße vor sich sieht.

Wenn irgendwo Musik spielt, soll man sie beinahe hören können.

Wenn eine Figur einen alten Brief öffnet, möchte ich, dass man für einen Augenblick das Gefühl bekommt, dieses Papier selbst in der Hand zu halten.

Und wenn Vergangenheit plötzlich in die Gegenwart meiner Figuren hineinreicht, soll genau diese eine Frage entstehen:

Was davon ist eigentlich erfunden?

 

Also: Wie viel Wahrheit steckt nun in meinen Romanen?

Eine ganze Menge.

Und gleichzeitig sind es Geschichten.

MAX FIELD ist Fiktion.

Meine Figuren dürfen Dinge erleben, die niemals passiert sind.

Sie dürfen lieben, streiten, scheitern, kämpfen, Geheimnisse entdecken und Entscheidungen treffen, die nur auf den Seiten meiner Bücher existieren.

Doch die Welt um sie herum besitzt reale Wurzeln.

Historische Ereignisse.

Gesellschaftliche Entwicklungen.

Musik.

Orte.

Persönlichkeiten.

Zeitgeschichte.

Und unzählige kleine Details, die tatsächlich zu dieser Epoche gehören.

Vielleicht ist genau diese Mischung der Grund dafür, dass die Grenze beim Lesen manchmal für einen Augenblick verschwimmt.

Denn ich möchte euch nicht erzählen:

So war es.

Ich möchte euch mitnehmen und die Frage stellen:

Was, wenn es so hätte gewesen sein können?

Und wenn ihr dann irgendwann mitten im Lesen innehaltet und denkt …

Moment mal. Das könnte doch wirklich passiert sein.

… dann habe ich genau das erreicht, was ich mir beim Schreiben wünsche.

Denn irgendwo zwischen dem, was tatsächlich war, und dem, was niemals geschehen ist, beginnt für mich die faszinierendste Form des Geschichtenerzählens.

Dort, wo Fiktion auf Geschichte trifft.

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