DIE 1970ER-JAHRE
Eine Zeit voller Gegensätze - und wie geschaffen für die Welt von Max Field
Warum ausgerechnet die 1970er-Jahre?
Eine Epoche, die meinen Geschichten genau das gibt, was sie brauchen.
Immer wieder werde ich gefragt, warum meine Geschichten ausgerechnet in den 1970er-Jahren spielen.
Warum eine Zeit, in der es keine Smartphones gab, kein Internet, keine sozialen Netzwerke und kein Navigationsgerät, das einem freundlich erklärte, dass man an der nächsten Kreuzung bitte wenden sollte?
Meine Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach:
Weil mich diese Zeit fasziniert.
Und je länger ich mich mit ihr beschäftige, desto mehr merke ich, wie unglaublich viel sie zu erzählen hat.
Die 70er-Jahre waren laut, bunt und manchmal ziemlich wild. Sie waren aber auch widersprüchlich, unbequem und von gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen geprägt.
Gerade deshalb sind sie perfekte Zeit für meine Geschichten.
Eine Welt zwischen Aufbruch und Vergangenheit
Wenn wir heute an die 70er denken, sehen wir schnell Schlaghosen, große Sonnenbrillen, auffällige Tapeten, amerikanische Straßenkreuzer und hören die Musik dieser Jahre.
Doch hinter diesen Bildern verbirgt sich eine Zeit, die wesentlich komplexer war.
In den USA, wo ein großer Teil meiner Geschichten spielt, waren die gesellschaftlichen Umbrüche der vorangegangenen Jahrzehnte überall spürbar. Der Kampf um Gleichberechtigung hatte das Land verändert, alte Machtstrukturen gerieten ins Wanken und gleichzeitig verschwanden Vorurteile, Rassismus und gesellschaftliche Konflikte natürlich nicht einfach, nur weil Gesetze geändert worden waren.
Der Vietnamkrieg spaltete die Gesellschaft. Junge Menschen stellten traditionelle Werte infrage. Frauen kämpften für mehr Selbstbestimmung. Politik, Protestbewegungen und ein neues Lebensgefühl prallten auf eine Generation, die an vielen alten Vorstellungen festhielt.
Es war eine Zeit zwischen zwei Welten.
Und genau solche Zeiten finde ich als Autorin ungeheuer spannend.
Denn wo sich etwas verändert, entstehen Konflikte. Wo Menschen beginnen, bestehende Regeln infrage zu stellen, entstehen Geschichten.
Und wo Vergangenheit und Zukunft aufeinandertreffen, müssen Menschen Entscheidungen treffen.
Geschichten funktionierten damals anders
Es gibt aber noch einen ganz anderen Grund, weshalb ich so gern in dieser Zeit schreibe.
1971 konnte Max nicht mal eben ihr Handy aus der Tasche ziehen.
Sie konnte niemandem schnell eine Nachricht schicken, ihren Standort teilen oder innerhalb weniger Sekunden herausfinden, wem ein Haus gehörte, was vor dreißig Jahren an einem bestimmten Ort passiert war oder wie sie am schnellsten von Memphis nach New Orleans kam.
Wenn jemand nicht ans Telefon ging, war er nicht erreichbar.
Punkt.
Wenn ein Brief unterwegs war, musste man warten.
Wer etwas herausfinden wollte, musste recherchieren, Menschen befragen, Archive durchsuchen, Zeitungen lesen oder selbst an einen Ort fahren.
Und wer sich irgendwo mitten in Louisiana verirrte, konnte nicht einfach das Smartphone hervorholen und Google Maps öffnen.
Für eine Autorin ist das ein Geschenk.
Denn plötzlich bekommen Entfernungen wieder eine Bedeutung. Ebenso Zeit.
Ein Mensch kann tatsächlich verschwinden.
Ein Geheimnis kann über Jahrzehnte verborgen bleiben.
Eine Information kann zu spät eintreffen.
Und manchmal entscheidet eine einzige Begegnung darüber, ob jemand die Wahrheit erfährt oder niemals danach suchen wird.
Menschen mussten miteinander reden
Vielleicht ist es genau das, was mich an dieser Zeit besonders reizt.
Menschen mussten sich begegnen.
Sie mussten miteinander sprechen.
Sie mussten einander ansehen und versuchen herauszufinden, ob der Mensch ihnen gegenüber die Wahrheit sagte.
Es gab keine Möglichkeit, innerhalb weniger Sekunden das gesamte Leben eines Fremden im Internet zu durchleuchten.
Man musste vertrauen.
Oder misstrauen.
Man musste beobachten.
Zuhören.
Und manchmal einfach seinem Bauchgefühl folgen.
Für meine Geschichten ist genau das unglaublich wertvoll.
Denn vieles von dem, was zwischen Max und den Menschen um sie herum geschieht, lebt von diesen unmittelbaren Begegnungen. Von Blicken, Gesten, unausgesprochenen Dingen und davon, dass niemand einfach schnell nachsehen kann, was wirklich passiert ist.
Und dann ist da natürlich die Musik
Über die 70er-Jahre zu schreiben, ohne über Musik zu sprechen, wäre für mich kaum möglich.
Kaum eine andere Zeit besitzt für mich einen so unverwechselbaren Sound.
Rock ’n’ Roll war längst nicht verschwunden, Rock wurde größer und härter, Soul, Blues, Country, Gospel und Funk entwickelten sich weiter – und Künstler wurden zu Persönlichkeiten, die ganze Generationen prägten.
Musik war nicht einfach Hintergrund.
Sie gehörte zum Lebensgefühl.
Und einer der Menschen, die meine Faszination für diese Epoche entscheidend verstärkt haben, war Elvis Presley.
Nicht nur der berühmte Elvis der 1950er-Jahre, den wohl jeder mit Rock ’n’ Roll verbindet. Mich faszinierte vor allem der erwachsene Künstler Ende der 60er- und zu Beginn der 70er-Jahre.
Der Mann auf der Bühne in Las Vegas.
Der Entertainer.
Aber auch die Persönlichkeit hinter diesem gewaltigen Namen.
Je mehr ich mich mit seinem Leben beschäftigte, desto stärker begann mich auch die Welt zu interessieren, in der er damals lebte: Las Vegas, Memphis, die Musikszene, die Hotels, die Shows, die Autos, die Menschen um ihn herum – und schließlich die gesamte gesellschaftliche Atmosphäre dieser Jahre.
Elvis Presley wurde damit für mich zu einer wichtigen Inspiration.
Nicht nur musikalisch.
Er war gewissermaßen eine Tür in diese Zeit.
Und als ich einmal hindurchgegangen war, wollte ich immer mehr darüber wissen.
Recherche bedeutet für mich, in diese Welt einzutauchen
Wenn ich heute an einem neuen MAX-FIELD-Roman arbeite, besteht ein großer Teil meiner Arbeit deshalb aus Recherche.
Und ich liebe diesen Teil des Schreibens.
Wie sah eine Straße 1971 tatsächlich aus?
Welche Autos fuhren dort?
Welche Kleidung trugen die Menschen?
Was lief im Radio?
Welche Nachrichten bestimmten gerade den Alltag?
Wie sah ein Hotelzimmer aus?
Welche Flugzeuge waren unterwegs?
Wie funktionierte Polizeiarbeit?
Welche medizinischen Möglichkeiten gab es?
Wie lange dauerte eine bestimmte Untersuchung?
Welche gesellschaftlichen Regeln galten, die wir heute vielleicht kaum noch nachvollziehen können?
Und manchmal beginnt eine Recherche mit einer winzigen Frage und endet Stunden später an einem völlig anderen Ort.
Dabei entdecke ich immer wieder Dinge, von denen ich vorher selbst nichts wusste.
Einige davon werden später wichtig für die Handlung.
Andere tauchen vielleicht nur in einem einzigen Satz auf.
Doch gerade diese Kleinigkeiten sind es für mich, die eine Welt glaubwürdig machen.
Reale Geschichte trifft auf Fiktion
Besonders spannend wird es für mich dort, wo meine erfundenen Geschichten auf tatsächliche Geschichte treffen.
Viele Orte in meinen Büchern existieren wirklich.
Memphis.
Las Vegas.
New Orleans.
Hawaii.
Straßen, Gebäude und historische Schauplätze werden Teil der Handlung.
Und manchmal reicht die Geschichte eines solchen Ortes weit zurück und bekommt plötzlich eine Bedeutung für Max, obwohl die Ereignisse lange vor ihrer eigenen Zeit stattgefunden haben.
Genau das fasziniert mich.
Denn Vergangenheit verschwindet nicht einfach.
Sie hinterlässt Spuren.
In Städten.
In Häusern.
In Familien.
Und in Menschen.
Deshalb greife ich in meinen Geschichten auch historische und gesellschaftliche Themen auf. Nicht als Geschichtsunterricht, sondern als Teil einer Welt, in der meine Figuren leben.
Fiktion trifft auf Geschichte.
Für mich ist das inzwischen zu einem wichtigen Bestandteil von MAX FIELD geworden.
Wenn Schreiben zum Kopfkino wird
Wenn ich schreibe, sehe ich Szenen tatsächlich vor mir.
Nicht einzelne Sätze.
Ich sehe einen Film.
Ich sehe Max eine Straße entlangfahren. Ich weiß, welches Auto sie fährt. Ich sehe das Licht, die Häuser am Straßenrand, manchmal sogar, wie sich Staub hinter den Reifen hebt.
Ich höre Musik.
Ich sehe Menschen einen Raum betreten, bevor ich weiß, was sie sagen werden.
Vielleicht erzähle ich deshalb so gern ausführlich und filmisch.
Ich möchte nicht nur beschreiben, was passiert.
Ich möchte eine Atmosphäre schaffen, in die man eintauchen kann.
Der Leser soll nicht nur wissen, dass Max gerade in Memphis ist.
Er soll das Gefühl haben, dort zu sein.
Die Hitze zu spüren.
Die Musik zu hören.
Die Autos zu sehen.
Und vielleicht für ein paar Hundert Seiten zu vergessen, dass draußen längst ein anderes Jahrzehnt begonnen hat.
Würde MAX FIELD in unserer heutigen Zeit funktionieren?
Diese Frage habe ich mir tatsächlich schon gestellt.
Natürlich könnte ich Max ein Smartphone in die Hand drücken.
Sie könnte Nachrichten verschicken, jemanden googeln, Satellitenbilder ansehen und innerhalb weniger Sekunden Informationen bekommen, für die sie 1971 noch eine halbe Stadt durchqueren muss.
Aber wäre es noch dieselbe Geschichte?
Für mich nicht.
MAX FIELD gehört in diese Welt.
In eine Zeit, in der ein Brief noch etwas verändern konnte.
In der ein Telefon klingelte und man nicht wusste, wer am anderen Ende der Leitung war.
In der ein Auto Freiheit bedeutete.
In der Musik aus Radios, Plattenspielern, Bars und Clubs kam.
In der Reisen noch wirkliche Entfernungen überbrückten.
Und in der Menschen manchmal losfahren mussten, ohne zu wissen, was sie am Ende ihres Weges erwartete.
Deshalb die 70er
Vielleicht ist es also doch nicht ganz so einfach zu beantworten, warum ich ausgerechnet über diese Zeit schreibe.
Es ist die Musik.
Es sind die Autos.
Die Mode.
Die Orte.
Die gesellschaftlichen Gegensätze.
Die Geschichte.
Es sind Persönlichkeiten wie Elvis Presley, die mich neugierig auf diese Epoche gemacht haben.
Aber vor allem ist es dieses besondere Lebensgefühl.
Eine Welt, die unserer schon ähnlich genug ist, um uns vertraut vorzukommen – und gleichzeitig weit genug entfernt, um uns in eine andere Zeit mitzunehmen.
Eine Zeit voller Widersprüche. Voller Aufbruch und alter Schatten. Voller Freiheit und Grenzen. Voller großer Träume und manchmal bitterer Realität.
Und damit voller Geschichten.
Genau deshalb ist MAX FIELD in den 70ern zu Hause.
Und wenn ihr beim Lesen manchmal für einen Moment glaubt, irgendwo in der Ferne einen alten V8 zu hören, die Hitze von Memphis zu spüren oder Musik aus einer geöffneten Tür in Las Vegas dringen zu hören, dann habe ich genau das erreicht, was ich mir beim Schreiben wünsche:
Euch für eine Weile mit in diese Zeit zu nehmen.